Beziehungen und Prozesse gestalten

Am 30. März besuchten fünf Lehrpersonen als Zaungäste die Hinwiler Mehrklassenschulen in Ringwil, Girenbad und Unterholz. In einem Kindergarten und drei Primarklassen standen die Türen offen. «Wir gestalten Beziehungen und Prozesse im Unterricht bewusst. Was wird davon im Alltag sichtbar?» Das war der Beobachtungsfokus. Das Bild zeigt Gäste (links) und Gastgebende (rechts) bei der Präsentation des kollektiven Teils der Rückmeldung.

Aufschlussreiche Besuche in Niedersachsen

Text und Bild: Lutz Oertel

Einmal mehr zeigte sich der Wert einer peer review beim Besuch zweier privater Schulen in Cloppenburg (Marienoberschule und Liebfrauengymnasium), denn nicht nur die Besuchten, die fachliche Rückmeldungen erhielten, sondern auch die Besucher (Gäste) profitierten, so durch folgende Anregungen. Diese erhielten wir durch die exemplarische Nachbesprechung einer kollegialen Hospitation, gekennzeichnet durch einen gut strukturierten Ablauf und unbedingtes Vertrauen zueinander. Ähnlich die kollegiale Fallbesprechung, die vor allem jene Lehrperson entlastete, die im Unterrichtet in ein schwieriges Verhaltensproblem involviert wurde. Grosse Freude machte es, das Beispiel eines interdisziplinären Projektunterricht beobachten zu können, in dem verschiedenste Fähigkeiten geschult wurden, z.B. digitales Konstruieren und handwerkliches Umsetzen.

Fokus: Wertschätzung

Auch in der Schulgruppe 3 ist inzwischen der erste Besuch nach dem Corona-Unterbruch erfolgt. Gastgeberin war die Primarschule Dättlikon – wie schon im Oktober 2012. Die Schule wählte aus ihrem Programmbereich «Respekt» den Aspekt «Wertschätzender Umgang miteinander» als aktuelles Jahresthema. Die Zaungäste fokussierten ihre Rückmeldungen darum auf das, was von diesem Leitsatz im Unterrichtsalltag sichtbar wird.

Die eigene Selbstwirksamkeit stärken

Rund 20 Interessierte erlebten am 25. September einen spannenden Morgen mit Ruedi Isler. Er stellte sein neues Buch «Einfach gut lernen» vor. Dort heisst es zur Selbstwirksamkeit:
«Wir alle wissen aus unserer täglichen Erfahrung, dass das Selbstvertrauen für uns Menschen in fast allen Lebenslagen eine entscheidende Rolle spielt. Wenn wir uns sicher fühlen, gehen wir optimistischer durchs Leben. Was auf uns zukommt, scheint uns dann leichter zu bewältigen. Wir haben mehr Mut, etwas Neues auszuprobieren, etwas zu wagen, unserem Leben eine neue Richtung zu geben oder etwas in Angriff zu nehmen, vor dem wir grossen Respekt haben.» (Berner, Isler, Weidinger 2021)

Wie lässt sich diese bedeutsame subjektive Gewissheit fördern? Im Flyer, den die Teilnehmenden an diesem Vormittag erhielten stehen die folgenden Hinweise.

Wege, die Selbstwirksamkeit zu stärken

  1. Eigene Erfolgserfahrungen machen als Königsweg, aber nicht nur Stärken stärken, sondern auch Schwächen schwächen.
  2. Verbindung zwischen Anstrengung / Bemühung / Lernen auf der einen Seite und Erfolg auf der anderen Seite herstellen, bewusst machen und in Worte fassen.
  3. Modelle als Ansporn zur eigenaktiven Überwindung von Schwierigkeiten wahrnehmen und sich Mut machen lassen, wenn die Leistungen oder die Kompetenzen der Modelle zu weit entfernt scheinen.
  4. Ermutigung entgegennehmen (Achtung: so formulieren, dass zum Versuch, nicht zum Resultat ermutigt wird), Selbstermutigung praktizieren, Entmutigung vermeiden und nicht entgegennehmen.
  5. Sich um eine eigene positive Grundstimmung bemühen und um eine optimistische Stimmung in den Gemeinschaften, in denen man aktiv ist.
  6. Erfahrungen kollektiver Selbstwirksamkeit suchen und planen – in der Schule, in der Familie, im Beruf, bei Freizeitaktivitäten.
  7. Achtsam mit Beziehungen umgehen und Werte wie Empathie, Akzeptanz und Echtheit zu leben versuchen.
  8. Kulturell bedingte Modelle kritisch hinterfragen.
  9. Sich selbst instruieren und sich selbst für Anstrengungen belohnen.
  10. Die eigene Persönlichkeit weiterentwickeln – in Weiterbildungen, Beratungen, Selbsterfahrungen.

Einfach gut lernen – wie gelingt das?

Weiterbildung mit Rudolf Isler am Samstag, 25. September 2021

Kinder und Jugendliche, die mit Lust und Kreativität Sinnvolles lernen und dabei zunehmend verantwortlich werden für ihre eigene Entwicklung – das wünschen sich Eltern und Lehrpersonen. Wie können sie junge Menschen in diesem Prozess unterstützen?

Das ist das Thema einer Veranstaltung am Samstag, 25. September. Rudolf Isler, Professor an der PHZH im Bereich Bildung und Erziehung, orientiert über den aktuellen Stand der empirischen Forschung und gibt Hinweise, Beispiele und Anregungen zur Umsetzung in die eigene Praxis. Speziell im Fokus steht die Selbstwirksamkeit – auch die von Lehrpersonen.

Zusammen mit Hans Berner und Wiltrud Weidinger hat Rudolf Isler 2021 ein praxisorientiertes Buch zum Thema* herausgegeben. Beleuchtet werden darin auch die Auswirkungen der Digitalisierung.

Der Anlass richtet sich sowohl an neu qualifizierte als auch an erfahrene Lehrpersonen und bietet auch Raum für den Austausch unter den Teilnehmenden.

*«Einfach gut lernen», Hep-Verlag, Bern.


Samstag, 25. September 2021, 9:00 bis 12:00 Uhr
Gesamtschule Unterstrass, Seminarstrasse 29, 8057 Zürich

Der Anlass ist kostenlos für Personen aus QuiSS-Mitgliederschulen.
Weitere Teilnehmende bezahlen 30 CHF. 
Wer möchte, erhält am Anlass ein Testat über den Besuch dieser Weiterbildung.

Anmeldung bis Samstag, 18. September an Mark Plüss, info@quiss.ch

«Vielfältig und herzlich …

… leben wir in eigenem Tempo Qualität und schaffen Durchblick.» So lautet das Motto im Schulhaus Seehalde in Niederhasli. Zaungäste aus der Schulgruppe 2 besuchten Anfang Juni diese innovative Sekundarschule. «Wie engagiert sind die Lernenden während des Unterrichts? Was geschieht in den Coaching-Gesprächen zwischen ihnen und den Lehrpersonen?» Dies waren zwei der Fragen, welche das Team der Seehalde den Zaungästen stellte.
Der Tag war geprägt durch die gemeinsame Freude darüber, dass solcher Austausch nun wieder möglich ist.

Auf kreative Weise Probleme lösen

Am Jahrestreffen der Zaungäste vom 2. Juni 2021 stellte Nicolas Rüttimann das Konzept der Gesamtschule Unterstrass (GSU) für den Bereich Medien und Informatik (MI) vor. In diesem Feld profitiert die Schule besonders vom oft beeindruckenden Vorwissen der Schülerinnen und Schüler. Statt in einzelne MI-Wochenlektionen bietet die GSU in ihren verschiedenen Stufen projektartiges Lernen an, dies in Blöcken zu mehreren Tagen. Auch beim Programmieren geht es darum, mit neuen Ideen Probleme zu lösen, Feedback zu den Ergebnissen einzuholen und das eigene Produkt so zu modifizieren, dass es die Anwender überzeugt. Eine wirkungsvolle Präsentation bildet den Abschluss.

Im «geschäftlichen Teil» des Treffens waren zuvor die nächsten Besuche in den drei Schulgruppen festgelegt worden (siehe dazu auch die Agenda).